Entschuldigung, wären Sie so freundlich mir ein Wort zu schenken?

Es ist immer wieder interessant und auch unvorhersehbar, wie die unterschiedlichsten Menschen auf diese Frage reagieren.

Frau Rudolf (44 Jahre) an der Käsetheke im Supermarkt um die Ecke.
Fabian (9 Jahre) während er gelangweilt auf den Schulbus wartet.
Jini von Luxuslärm nach einem Konzert während der Autogrammstunde.

Hier schreibe ich die Erlebnisse, Personen und vielleicht auch spannende Geschichten zu den mir geschenkten Wörtern auf.

Viel spaß dabei.

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Sun

Ein bisschen Sonne oder auch ein bisschen viel mehr kann man immer gebrauchen und ich liebe die Sonne. Vielen Dank dafür.
Genau das richtige Gegenmittel gegen den grauen Himmel, den tosenden Sturm vor meinem Fenster und den kahlen Bäumen, die sich auch schon ganz traurig winden. Also. Dies ist ein Aufruf. Sonne melde dich. Erscheine und strahle für uns in deinem schönsten Licht und erwärme uns, nicht nur von außen, sondern auch unsere Herzen.

Falls sie jemand gesehen habe sollte,
wichtige Hinweise bitte direkt an mich.
Zuletzt wurde sie in Russland gesichtet.
Von dort hat mich nämlich diese schöne Karte erreicht:

 

sunmittel

Ein Wort mit Bildungsauftrag

Vor einiger Zeit habe ich ein Wort per Mail erhalten. Ein wunderbares und „auf rätselhafte Weise unheimliches“ (sprach Wikipedia) Wort: „Kafkaesk“. … frei nach dem Schriftsteller benannt. Mein Dank fliegt diesmal direkt ins schöne Wien und Paleica verzeiht mir die zeitliche Verzögerung hoffentlich. Ich danke dir für dieses sprachlich reizvolle Wort und das schöne inszenierte Bild dazu. Perfekt.

Bild von Paleica
Bild- und Wortgeschenk von Paleica

Lange habe ich überlegt, ob ich zu diesem Wort auch eine Geschichte oder ein Ereignis schreiben soll.
… und ich überlege immer noch.
Zur richtigen Zeit werde ich meine Worte nachholen.

Es geht die Post ab.

Sonntag, der 26.07.2015

Es ist 14.45 Uhr.
Wir, das sind ca. 1500 in gelb-schwarz gekleidete Frauen, stehen alle in einer Schlange an der Reinoldikirche in Dortmund.
Nein, es findet kein Heimspiel von Borussia Dortmund statt und es ist auch kein Super-Sonder-Ausverkauf bei Aldi. Hier findet der 2. Dortmunder Post Ladies Run statt. Je nach Können, Lungenvolumen und Wollen werden hier entweder 5 oder 10 Kilometer munter durch die Innenstadt gelaufen. Dies ist mein erster Lauf über 10 Kilometer mit anderen Läufern.

14:59 Uhr und 49 Sekunden – kurz vor dem Startschuss.
Der Countdown wird gezählt.
10
9
… mein Herz beginnt schneller zu schlagen.
7
6
5
… mein Adrenalin steigt.
3
… ich atme tief ein, spüre meinen Puls rasen. Die Welt scheint still zu stehen und sich gleichzeitig schneller zu drehen.
1
Los.
Der Startschuss fällt.
Die weibliche Masse, also ich meine die geballte Anzahl der Teilnehmerinnen, nicht meine überschüssigen Pfunde, kommt in Bewegung. Vor mir laufen die ersten Ladies los und auch ich gebe Gas. Angespornt durch den Jubel, die ganzen begeisterten Gesichter und die gut trainierten Läuferinnen vor und neben mir. Ich gebe immer noch Gas und merke viel zu spät, dass mein Tempo viel zu hoch ist. Das Einatmen fällt mir schwer, für das Ausatmen habe ich bereits keinen Atem mehr. … und ich bin erst bei Kilometer 2. Strategieänderung. Nicht mehr den anderen hinterher hecheln, sondern meinen eigenen Rhythmus finden, steht nun auf dem Plan. Langsam beruhigt sich mein Atem. Dafür das nächste Problem: Ein stechen in der rechten Seite. „Verdammt!“, denke ich und lächele gleichzeitig einem am Straßenrand stehenden Fotografen zu. „Ok, was mach ich hier eigentlich? Will ich gut aussehen oder will ich mit einer guten Zeit, lebend im Ziel ankommen?“ Ich entscheide mich für das Zweite. Gut aussehen kann ich noch an anderen Tagen. … falls ich das hier überstehe. Inzwischen bin ich bei Kilometer 4 angekommen, vorbei an all den schönen Geschäften, mitten durch die jubelnden Zuschauer am Straßenrand. Mir ist zwar das Lächeln vergangen und fürs Winken habe ich auch keine Kraft mehr, dennoch fühlt es sich irgendwie gut an. Bei Kilometer 5 beginnt die nächste Runde. Schon echt gemein, man läuft direkt an dem Ziel vorbei und weiß ganz genau, jetzt muss man die ganze Runde noch einmal laufen. … und mir ist bei einer samstäglichen Shoppingtour noch nie aufgefallen, das es in der Innenstadt tatsächlich die ganze Zeit über bergauf geht. Logisch betrachtet, ja nur in eine Richtung. Dennoch habe ich das Gefühl, dass es ab Kilometer 6 nur noch aufwärts geht und zwar mit Gegenwind. Das macht das Ganze auch nicht leichter. „Soll ich aufgeben? Einfach hier unter dem Absperrband hindurch und um die  nächstbeste Ecke verschwinden? Jetzt? Jetzt! Ich kann nicht mehr! Ich will aufgeben. Meine verdammten Füße schmerzen, meine Seite sticht immer noch, ich bekomme kaum Luft und habe ich meine Füße schon erwähnt?“ Am rechten Fuß kann ich bereits eine dicke Blase spüren, wenn es nicht so weh tun würde, wäre es fast ein Gefühl, wie auf einem Gelkissen zu laufen, einem stetig wachsenden Gelkissen. Kilometer 7. Mein Kopf ist wieder frei, die Schmerzen sind zum Glück in den Hintergrund getreten und ich konzentriere mich auf die Leute, die am Straßenrand stehen und ihre Liebsten nach Kräften anfeuern. Kilometer 8. Nicht mehr weit bis zum Ziel. Ich laufe an einer Eisdiele vorbei, die entgeht mir natürlich nicht. Dort sitzen auch ein paar Zuschauer, nur dass sie es sich gemütlich gemacht haben, zusammen mit einem Spagetti-Eis und einem Bananen-Split. Wie in Zeitlupe ziehen die Bilder an mir vorbei, mit Zoom auf die Eiskugeln. Ich würde gerade alles für ein leckeres Eis geben. … und schon bin ich drei Häuser weiter. Kilometer 9. Von hier kann ich das Ziel hören, die Trommler in der Endkurve und die klatschenden Freunde, Verwandte und Bekannte. Das Ziel wartet. Ich sammele noch einmal meine letzten Kraftreserven und schalte einen Gang hoch zum Endspurt. Die letzten Meter. Die Glückshormone keimen in mir, sprießen, werden größer und das Glückgefühl explodiert nur so in mir beim Überschreiten der Ziellinie. Wie eine Mutter, die gerade ihr Neugeborenes zum ersten Mal in den Händen hält und sofort all die Schmerzen der Geburt vergessen hat, so sind auch meine Schmerzen vergessen und Luft bekomme ich auch wieder.

„War doch halb so wild.“, denke ich bei mir und überlege, ob ich nicht auch noch in Essen starte.
Es ist schon ein einmaliges unbeschreibliches Gefühl. Um mich herum nur fröhliche Gesichter.

Kurz nach dem Lauf hatte ich noch das Glück Lucy Diakovska, die Botschafterin des Post Ladies Run, zu treffen.
Sie belegte den stolzen 8 Platz und war schon wieder fit. Keine Ahnung wie sie das macht. Auf jeden Fall bekam ich ein Wort von ihr geschenkt: „Hund“. Ich weiß nicht, ob sie dabei an ihren kleinen Hund gedacht hat, aber ich musste sogleich an meinen eigenen „inneren Schweinehund“ denken, der den ganzen Lauf über nicht von meiner Seite wich. Nun liegt er lauernd in seiner Ecke und wartet auf die nächste Gelegenheit meine Motivation zu torpedieren. „Denkste.“, denke ich und lächle, nicht nur innerlich, sondern auch nach außen, denn heute bin ich die Siegerin. 🙂

Lucy

Danke für das sehr passende Wort und deine Geduld so kurz nach dem anstrengenden Lauf. Das war mein krönender Abschluss für dieses tolle Erlebnis.

Gehen Giraffen auch mal nur so zum Spaß spazieren?

Eine Giraffe läuft ja, im besten Fall, den ganzen Tag so durch die Savanne.
Wahrscheinlich auf Nahrungssuche oder dem staksigen Nachwuchs hinterher.
Und wenn sie da so läuft oder besser gesagt geht, gibt es da einen Moment,
in dem sich die Giraffe einfach mal umschaut und denkt: „Wow, was für ein wunderschöner Ausblick.“?
Machen Giraffen so etwas?
Bei einer Größe von bis zu 6 Metern muss der Rundumblick fantastisch sein.
Mit meiner Größe von gerade 1,56 Meter bleibt mir leider nur die Sicht auf die nähere Umgebung.
Dafür komme ich im Supermarkt locker an die Ware in den unteren Regalen … aber damit kann ich bei einer Giraffe wohl nicht punkten.

Wie ich darauf komme?

Ganz einfach, ich habe eine wunderschöne Postkarte aus Colorado Springs, USA, bekommen.
Auf der Vorderseite ist eine schicke Giraffe abgebildet und schon nahmen die Gedanken ihren Freilauf.

Auf der Rückseite, mein zweites Geschenk, ein Wort. … und zwar komischerweise ein deutsches. Man mag es kaum glauben. Noch dazu ein Wort, für das mir kein sinnvoller ganzer Satz einfällt.
Es lautet: Wanderlust.
Vielleicht fällt dir ein Satz mit dem Wort Wanderlust ein?
Ich bin überfragt, denn gedanklich bin ich immer noch bei der Giraffe mit ihrem unendlichen Ausblick. 😉

wanderlust2

Eine Geschichte von Drachen, Einhörnern und der persönlichen Einstellung.

Manchmal, aber eben nur manchmal, ist ein Glas nicht nur halb-leer. 😉

Ich komme nach Hause und öffne in froher Erwartung meinen Briefkasten. Das Schloss klemmt ein wenig und somit dauert es einen Moment länger, länger als ich es eigentlich erwarten kann, bis sich das Türchen zum Fach öffnen lässt. Voller Hoffnung und Spannung blicke ich hinein, leider bekomme ich ja nicht täglich eine Postkarte aus fernen Ländern, immer mal wieder sind auch Rechnungen dabei oder Werbung, immer wieder Werbung. Von tollen neuen Handyverträgen, der Supermarktkette und der Pizzeria von nebenan. Als ob ich die Speisekarte nicht eh schon auswendig kennen würde.

Aber heute habe ich Glück, keine Rechnung, keine Werbung, sondern eine Postkarte liegt wartend für mich bereit.

Da ich noch meine schweren Einkäufe in der Hand halte, gestatte ich mir nur einen schnellen Blick auf die Karte, bevor ich die 77, in Worten: siebenundsiebizig!!! Treppenstufen zu meiner Wohnung erklimme. Ich erkenne das Wort: „Missmut“ und runzle meine Stirn. „Warum schickt mir jemand so ein Wort?“, denke ich bei mir und beginne den Aufstieg. Erste Etage. Ich bin noch zu keiner Antwort gekommen. „Missmut“ ist doch kein Wort, zumindest kein schönes.“, grüble ich vor mich hin. Zweite Etage. „Ok, „Missmut“ ist ein Wort, aber glücklich bin ich darüber trotzdem nicht.“, gehen meine Gedanken weiter, jetzt etwas langsamer, da ich immer höher komme, mein Atem vor Anstrengung flacher wird und meine Arme von dem Gewicht meiner Lebensmittel und Getränke immer länger werden. Dritte Etage. Kurze Atempause. Einkäufe abstellen, Rücken strecken, Einkäufe aufnehmen und die letzte Etappe in Angriff nehmen. „Missmut, warum gerade Missmut? … und was will mir der Absender damit sagen oder was sagt es über den Absender aus?“ Vierte Etage. Endlich oben angekommen. Wohnungsschlüssel aus der Tasche kramen und schnell das nicht mehr so ganz tiefgefrorene Lieblingseis sicher im Gefrierfach verstauen. Getränke in den Abstellraum und das frische Obst in die Schale. Alles an seinen Platz. Da war doch noch was. Die Postkarte. So ganz große Lust habe ich jetzt nicht mehr sie zu lesen. Die anfängliche Euphorie über den Erhalt einer Karte ist auf dem Weg nach oben irgendwie verloren gegangen. „Missmut“, einlenkend denke ich bei mir: „In dieser Welt gibt es halt nicht nur positive Wörter und Drachen und Einhörner sieht man auch ziemlich selten. … Ich setze mich auf meine Couch, zusammen mit einem frisch aufgebrühten Tee und nehme die Postkarte wieder zur Hand und beginne dennoch missmutig zu lesen. … und plötzlich beginnt sich das Blatt zu wenden, denn die Absenderin hat sich sehr wohl etwas dabei gedacht, gerade dieses Wort zu verschicken. In Missmut verbirgt sich nämlich ein kleines aber feines Wortspiel. Trennt man das Wort „Missmut“ so ergibt es gleich einen ganz anderen, viel positiveren Sinn: „Miss Mut“. Ein Lächeln macht sich in meinem Gesicht breit. Ein wundervolles Wort. „Miss Mut“ als wäre man gerade zur mutigsten Frau der Welt gekürt worden. Jetzt bereue ich meine vorherigen missmutigen Gedanken und es wäre wieder einmal bewiesen, dass manchmal ein Wort, gerissen aus dem Zusammenhang und ohne weitere Erklärung zu etwas ganz anderem führen kann, als eigentlich beabsichtigt war und sich viel mehr dahinter verbirgt. Langsam wende ich die Postkarte, um mir nun auch die Vorderseite anzuschauen. … und schon wieder muss ich lächeln, denn ich erblicke einen süßen Drachen, einen, wie man ihn sich in der Kindheit vorgestellt hat, einen zum Knuddeln. …. und ich denke bei mir: „Manchmal begegnet man auch in dieser Welt Drachen.“ 😉

Miss Mut und der Drache
Miss Mut und der Drache

Vielen lieben Dank für das tolle Wort oder besser gesagt, die Wörter und auch für den wunderbaren Drachen.
Mein Dank geht diesmal direkt nach Basel. 🙂

 

 

Open Arts – Kunstveranstaltung am Dortmunder Phönix See.

Kunstveranstaltung am Dortmunder Phönix See
Kunstveranstaltung am Dortmunder Phönix See

Zufällig bin ich heute nach dem Training, auf der Kulturinsel am Phönixsee gelandet. Angezogen, von den vielen interessanten und bunten Bildern schlenderte ich über die dortige Kunstveranstaltung „Open Arts“. An einem Stand kam ich spontan mit der Künstlerin Sonja Neumann ins Gespräch. Sie arbeitet an einem sehr schönen Projekt: „Daily Paintings – Jeden Tag ein neues Bild. Wer mehr erfahren möchte findet sie hier bei Facebook oder schaut sich die täglichen Bilder gleich in ihrem Blog an.

Von ihr bekam ich das idyllische Wort: Baumhaus.
So ein wunderbares Wort, als Kind wollte ich immer gern ein eigenes Baumhaus besitzen, … hat leider nie geklappt. In unserem Garten, mit dem kurzrasiertem Rasen und den penibel behüteten Blumen, fehlte es leider an Bäumen oder überhaupt einem Baum. Dennoch ist noch heute das Wort „Baumhaus“ in meinen Gedanken mit dem Gefühlen von Freiheit, natürliche Romantik und selbstgewählte Einsamkeit verbunden. Vielen lieben Dank Sonja Neumann für dieses fast schon paradiesische Wort und die unerwartet schöne Begegnung.

www.blogsonjaneumann.com
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